Mittwoch, 23. September 2026

Wichtige neue Erkenntnisse in der Wasserstoff Herstellung

 

H2 aus dem Ozean21.09.2026, 12:30 Uhr

250-kW-Elektrolyse mit Meerwasser: Diese Wasserstoff-Anlage entsalzt nebenbei

Forschende aus China destillieren Meerwasser mit der Abwärme ihrer Elektrolyse. Heraus kommen Wasserstoff und Süßwasser. Doch wie viel bringt das?

Hafen von Dalian mit Fischerbooten

Hafen von Dalian am Gelben Meer: In der chinesischen Küstenstadt sitzt das Institut, dessen Pilotanlage Meerwasser mit der Abwärme ihrer Elektrolyse entsalzt.

Foto: picture alliance/Sipa USA/Imagechina

Viele große Projekte für grünen Wasserstoff sind in trockenen Küstenregionen geplant, etwa in Namibia oder Australien. Dort gibt es Sonne, Wind und einen Ozean vor der Tür. Was fehlt, ist Süßwasser. Ein Elektrolyseur verträgt aber nur hochreines Wasser, weil Salz die Elektroden angreift. Wer Meerwasser nutzen will, muss es also erst entsalzen. Das kostet Strom.


Hinzu kommt ein zweites Problem, das der Elektrolyse inhärent ist: Sie setzt den verwendeten Strom nie vollständig in Wasserstoff um. Ein Teil wird in den Zellen zu Wärme, ähnlich wie bei einem Akku, der beim Laden warm wird. Damit Elektrolyseure nicht überhitzt, führen Kühler diese Abwärme ab.


Ein Team des chinesischen Dalian Institute of Chemical Physics (DICP) löst das eine Problem jetzt mit dem anderen. Die Gruppe um Deng Dehui und Liu Yanting leitet die Abwärme ihrer alkalischen Elektrolyse in einen Verdampfer, in dem Meerwasser unter Vakuum schon bei rund 44 °C siedet. Das Destillat speist die Elektrolyse, an die Elektroden gelangt also kein Salz. Der Überschuss fließt als Süßwasser ab.


Im Fachjournal Nature Energy hat die Gruppe zwei Anlagen mit 20 und 250 kW beschrieben, die aus Meerwasser Wasserstoff und Süßwasser herstellen. Die größere soll dabei effizienter arbeiten als eine herkömmliche alkalische Elektrolyse.

Entsalzung braucht nicht viel Energie

Das Entsalzen selbst ist dabei der kleinere Posten. Eine Umkehrosmose, bei der Pumpen das Meerwasser durch feine Membranen pressen, macht nach den Zahlen der Studie nur 0,26 % des Energiebedarfs aus. Sie braucht aber eine eigene Anlage, deren Membranen regelmäßig getauscht werden müssen.

Deutlich mehr Energie geht über die Wärme verloren. So werden in der 20-kW-Anlage aus Dalian von knapp 17 kW Elektrolyseleistung rund 3,3 kW zu Wärme, also etwa ein Fünftel. Die Kalilauge, die in alkalischen Elektrolyseuren als Elektrolyt dient, verlässt die Zellen mit 85 °C und muss abkühlen, bevor sie zurückfließt. Für Dampfturbinen oder Prozessdampf ist das zu kalt, also wird die Wärme weggekühlt. Laut Studie entfallen in einer herkömmlichen alkalischen Anlage 43,5 % des Stroms für Nebenaggregate wie Pumpen und Gasaufbereitung allein auf diese Kühlung.

Für eine Aufgabe genügen 85 °C allerdings, wenn man den Druck senkt.

Elektrolyse-Pilotanlage mit Destillationsturm
Die 250-kW-Pilotanlage und ihr Prozess: Die 85 °C heiße Lauge gibt ihre Wärme an Meerwasser ab, das im Vakuum bei rund 44 °C verdampft. Foto: JIANG Shang

Vakuum lässt das Meerwasser bei 44 °C sieden

Je niedriger der Druck, desto früher siedet Wasser. Bei etwa einem Zehntel des normalen Luftdrucks reichen dafür rund 44 °C. Auf diesem Effekt beruht das Verfahren, das die Gruppe aus Dalian „Seawater to Hydrogen and Fresh Water“ nennt, kurz STHW. Der Elektrolyseur bleibt ein Standardgerät mit Kalilauge und Elektroden auf Nickelbasis. Neu ist, was mit seiner Wärme passiert:

  • Die 85 °C heiße Lauge fließt aus den Zellen durch eine Rohrschlange. Diese liegt in einem Turm, in dem Meerwasser unter Vakuum steht.
  • Das Meerwasser nimmt die Wärme auf und verdampft bei rund 44 °C. Das Salz bleibt zurück.
  • Der Dampf kondensiert zu Destillat. Ein Teil speist den Elektrolyseur, der Rest steht als Süßwasser zur Verfügung.
  • Die Lauge fließt mit etwa 60 °C zurück. Ein Ventil regelt den Durchfluss so, dass die Elektrolyse konstant bei 85 °C arbeitet.

Mittwoch, 24. Juni 2026

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Fossile In­ves­ti­ti­o­nen bis ins nächste Jahr­hun­dert

Ver­mö­gens­ver­wal­ter und Staats­fonds in­ves­tie­ren weltweit 6,5 Bil­li­o­nen Dollar in Kohle, Gas und Öl. In Europa führt Nor­we­gens Staats­fonds das Ranking an

Von Kai Schöneberg 2 min

Hitzewellen, Hurrikans, Hochwasser – während die Klimakrise die Welt zunehmend unbewohnbarer macht, versuchen Investoren weiter, Profite mit Pipelines, LNG-Terminals oder Kohle- und Gaskraftwerken zu erzielen. Laut einer Studie von Urgewald und 28 weiteren Umweltschutzorganisationen weltweit haben 8.400 Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Hedgefonds aktuell 6,5 Billionen US-Dollar in fossile Unternehmen investiert.

Während Europa erneut bereits im Juni unter einem Hitzedom leidet, „halten institutionelle Investoren weltweit Anteile an fossilen Unternehmen mit einem Marktwert, der dem jährlichen BIP von Frankreich und Großbritannien entspricht“, sagte Urgewald-Geschäftsführerin Heffa Schücking. „Unternehmen, die ihre fossilen Aktivitäten ausweiten, während der Planet brennt, sind die schlechteste Investition, die man sich vorstellen kann“, betonte sie.

21 institutionelle Investoren halten 50 Prozent des Volumens der weltweit analysierten Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen. Die meisten kommen aus den USA. Weltweite Nummer 1 in fossilen Anlagen ist der US-Vermögensverwalter Vanguard (659,5 Milliarden US-Dollar), gefolgt vom Konkurrenzunternehmen Blackrock (553,3 Milliarden Dollar) sowie dem saudischen Public Investment Fund (283,7 Milliarden Dollar). Mit dem Staatsfonds legt das Ölland seine Einnahmen an.

Auch Europa mischt kräftig mit im Geschäft mit fossilen Anlagen. Die institutionellen Anleger des Kontinents halten 13 Prozent der ermittelten weltweiten fossilen Aktien und Anleihen. Größter Investor ist dabei Norwegens Government Pension Fund Global (GPFG). Der größte Staatsfonds der Welt, mit dem die Skandinavier ihre fossilen Profite investieren, erreicht weltweit Platz 9 mit 91,3 Milliarden Dollar Anlagen in Öl, Kohle und Gas. „Was den Klimawandel angeht, ist der GPFG Europas unverantwortlichster Investor“, sagte Dina Rui vom Nordic Center for Sustainable Finance.

Siemens bei deutschen Vermögensverwaltern beliebt

Auf den nächsten Plätzen im Europa-Ranking folgen zwei Banken: die Schweizer UBS (71,7 Milliarden Dollar) und Crédit Agricole mit dem Vermögensverwalter Amundi aus Frankreich (56,3 Milliarden Dollar). Die größten hiesigen fossilen Investoren sind die Deutsche Bank mit ihrer Vermögensverwaltungstochter DWS (43,8 Milliarden Dollar) gefolgt von Allianz (Allianz SE sowie die Tochtergesellschaften AGI und Pimco) mit 34,8 Milliarden Dollar, die genossenschaftliche DZ Bank mit ihrer Tochter Union Investment (13,6 Milliarden Dollar) und die Deka Group (10,2 Milliarden Dollar).

Bei allen vier Vermögensverwaltern sind Investitionen in Siemens und Siemens Energy besonders beliebt. Sowohl bei DWS als auch bei Deka ist die Siemens AG das größte fossile Investment mit jeweils 3,5 und 1,6 Milliarden Dollar.

Die finanzierten Unternehmen wollen zum Teil auch noch im 22. Jahrhundert mit ihren klimaschädlichen Investitionen arbeiten: Die Studie identifiziert Investitionen in Höhe von 64 Milliarden US-Dollar in Anleihen fossiler Firmen, die erst nach dem Jahr 2050 fällig werden, also dann erst von ihren Emittenten zurückgezahlt werden müssen.

Mehr als 240 Investoren halten fossile Anleihen mit Laufzeiten bis 2080 und darüber hinaus. Die fossile Anleihe mit der längsten Laufzeit wird von Brasiliens staatlichem Ölkonzern Petrobras emittiert – sie läuft bis ins Jahr 2115.

Kai Schöneberg

TAZ Redakteur

Wirtschaftshistoriker, Ausbildung bei der Burda Journalistenschule. Von 2001 bis 2009 Redakteur in Bremen und Niedersachsen-Korrespondent der taz. Dann Financial Times Deutschland, unter anderem als Redakteur der Seite 1. Von 2012 bis 2024 Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt.

Mittwoch, 19. November 2025

ENERGIE WENDE ZU HAUSE IM REIHENHAUS












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Jo

 


Sonntag, 19. Januar 2025

Akzeptanz steigern

   19.01.2025

 
Windräder und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft

Wie wirken sich Windkraftanlagen auf Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Recht aus? Ein internationales Team von Forschenden liefert Antworten.

Aus über 400 Internationalen Studien   ETH ZÜRICH

 Windräder 


Windräder haben mit einigen Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Forschende der ETH Zürich haben ihre Auswirkungen auf Umwelt, Gesellshaft und Politik genau unter die Lupe genommen.

Getötete Vögel, Infraschall, langwierige Genehmigungsverfahren oder Recycling – Windkraftanlagen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt sind immer wieder Thema in Politik und Gesellschaft. Forschende der ETH Zürich und anderen Forschungseinrichtungen haben sich 400 Studien zur Windkraft angeschaut und daraus selbst eine Studie erstellt. Die Arbeit identifiziert verschiedene Schüsselkategorien, die als Grundlage für künftige Forschung und politische Entscheidungen dienen sollen. Das Team arbeitet nun an Ansätzen, um die Akzeptanz von Windrädern zu erhöhen. Auch sollen interaktive Karten zu potenziellen Standorten entstehen.

Inhaltsverzeichnis

* Wie Windkraftanlagen verschiedene Systeme beeinflussen

   * 1. Umwelt und Klima

   * 2. Sozioökonomische Aspekte

   * 3. Techno-ökonomische Systeme

   * 4. Politisch-rechtliche Systeme

* Herausforderungen und innovative Ansätze

* Infraschall: Ein kontroverses Thema

* Wo der größte Handlungsbedarf besteht

* Die nächsten Schritte: Zukunftsorientierte Forschung und Planung

Wie Windkraftanlagen verschiedene Systeme beeinflussen

Die Studie untersucht umfassend, wie Windkraftanlagen verschiedene Systeme beeinflussen. „Wir wollten den aktuellen Forschungsstand zusammenfassen und herausfinden, wo noch Herausforderungen bestehen“, erläutert Russell McKenna, Experte für Energiesystemanalyse an der ETH Zürich. Zu den untersuchten Kategorien gehören:

1. Umwelt und Klima

Einfluss auf Ökosysteme und Artenvielfalt  Probleme: Windräder sind bekannt dafür, Vögel und Fledermäuse durch Kollisionen zu gefährden. Besonders betroffen sind Zugvögel und Fledermausarten, die bei niedrigen Windgeschwindigkeiten aktiv sind. Offshore-Windparks können durch Unterwasserlärm Meereslebewesen wie Wale und Delfine stören.

* Lösungen:

   * Gezielte Standortwahl:

 Windparks sollten in Gebieten errichtet werden, die von geringem ökologischen Wert sind. Mikro-Siting (feine Standortwahl innerhalb eines Gebiets) kann helfen, Kollisionen zu minimieren.

   * Technologische Ansätze: 

Temporäre Abschaltungen bei hohen Tieraktivitäten, visuelle Markierungen (z. B. schwarze Rotorblätter) und Ultraschall-Abwehrsysteme für Fledermäuse.

* Beispiele: 

In Norwegen wurden spezielle Sensoren entwickelt, um Bewegungen von Vögeln zu erkennen und Turbinen bei Gefahr abzuschalten.

Einfluss auf Wetter und KlimaProbleme:

Große Windparks können lokale Windmuster beeinflussen, was die Effizienz benachbarter Anlagen verringert. Zudem wurden lokal leicht erhöhte Temperaturen gemessen, vor allem nachts.

* Lösungen:

Strategische Planung, um diese Effekte zu minimieren, und internationale Abstimmungen bei Offshore-Windparks, wie z. B. in der Nordsee.

* Beispiele: 

Eine Studie über die Nordsee zeigte, dass Windparks Windgeschwindigkeiten im Umkreis von bis zu 50 km um bis zu 20 % reduzieren können, wenn sie dicht beieinanderstehen.

Recycling und End-of-Life-Szenarien

* Probleme: Rotorblätter bestehen häufig aus Glasfaserverbundwerkstoffen, die schwer zu recyceln sind. Aktuell werden viele dieser Materialien deponiert.

* Lösungen: Forschung an innovativen Materialien, die leichter recycelbar sind, und der Ausbau chemischer Recyclingverfahren wie Pyrolyse.

* Beispiele: In Deutschland wurde ein Verbot der Deponierung von Rotorblättern eingeführt, was die Entwicklung neuer Recyclingverfahren beschleunigt hat.

Seltene Erden

* Probleme: Permanentmagnete in modernen Turbinen enthalten Materialien wie Neodym und Dysprosium, die größtenteils in China abgebaut werden, was geopolitische Risiken birgt.

* Lösungen: Entwicklung von Turbinen ohne Permanentmagnete, Recyclingprogramme und Diversifizierung der Lieferketten.

* Beispiele: Siemens Gamesa hat eine Turbine entwickelt, die auf Ferritmagnete statt Seltener Erden setzt.

2. Sozioökonomische Aspekte

Landnutzungskonflikte

* Probleme: Windkraftprojekte können indigene Gemeinden oder traditionelle Landnutzer verdrängen, besonders in ländlichen Gebieten.

* Lösungen: Anerkennung traditioneller Landrechte, transparente Planungsverfahren und faire Entschädigungen.

* Beispiele: In Mexiko führte der Bau eines Windparks im Isthmus von Tehuantepec zu Konflikten mit indigenen Gemeinschaften, die sich gegen mangelnde Mitbestimmung wehrten.

Monetäre Auswirkungen

* Probleme: Windkraftanlagen können Immobilienwerte senken und Tourismus beeinflussen.

* Lösungen: Beteiligungsmodelle, bei denen Anwohner finanziell von Windparks profitieren, z. B. durch günstigeren Strom oder direkte Zahlungen.

* Beispiele: In Dänemark gibt es Programme, bei denen Anwohner Aktien von Windparks kaufen können, um von den Erträgen zu profitieren.

Landschaftsbild

* Probleme: Windkraftanlagen werden oft als Störung des Landschaftsbilds wahrgenommen, insbesondere in naturnahen Gebieten.

* Lösungen: Bau in bereits genutzten Gebieten, Beteiligung der Gemeinden an der Standortwahl.

* Beispiele: In Schottland werden Windparks in ehemalig industriellen Regionen bevorzugt gebaut, um die Akzeptanz zu erhöhen.

Gesundheitliche Auswirkungen

* Probleme: Geräusche und Schattenwurf können Anwohner stören und Stress auslösen.

* Lösungen: Einhaltung von Abstandsregeln, Betriebseinschränkungen bei hohem Schattenwurf.

* Beispiele: In Deutschland wird eine maximale Beschattungsdauer von 30 Minuten pro Tag für Anwohner eingehalten.

3. Techno-ökonomische Systeme

Integration in Energiesysteme

* Probleme: Windenergie ist wetterabhängig und erfordert flexible Stromnetze und Speicher.

* Lösungen: Ausbau von Stromspeichern, intelligente Steuerungssysteme, wie sie in Smart Grids verwendet werden.

* Beispiele: In Deutschland wurde der Netzausbau durch den Bau von HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen) vorangetrieben.

Markt- und Preisauswirkungen

* Probleme: Windenergie kann durch ihren niedrigen Strompreis bestehende Kraftwerke unrentabel machen und Preisschwankungen verstärken.

* Lösungen: Einführung von Kapazitätsmärkten und flexiblen Preisregelungen.

* Beispiele: Großbritannien hat ein Enhanced Frequency Response-System eingeführt, das Batteriespeicher zur Stabilisierung des Netzes nutzt.

4. Politisch-rechtliche Systeme

Geopolitische Risiken

* Probleme: Abhängigkeit von seltenen Rohstoffen und Technologien aus bestimmten Ländern.

* Lösungen: Ausbau lokaler Produktion und Forschung an alternativen Materialien.

* Beispiele: Die EU hat die „Raw Materials Initiative“ gestartet, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren.

Cybersicherheit

* Probleme: Windparks sind anfällig für Cyberangriffe, die Betrieb und Überwachung gefährden können.

* Lösungen: Einsatz sicherer Kontrollsysteme und regelmäßige Sicherheitsprüfungen.

* Beispiele: In Deutschland kam es 2022 zu Angriffen auf die IT-Infrastruktur eines Windkraftanlagenherstellers.

Planungs- und Genehmigungsprozesse

* Probleme: Lange Genehmigungszeiten verzögern den Ausbau.

* Lösungen: Einführung von Vorranggebieten für Windkraft und schnellere Verfahren.

* Beispiele: Die EU-Richtlinie 2023 erlaubt beschleunigte Genehmigungen in festgelegten „Go-To“-Zonen.

Herausforderungen und innovative Ansätze

Ein zentrales Problem ist laut Studie das Recycling von Rotorblättern. McKenna hebt hervor: „Duroplastische Kunststoffe wie Epoxidharz können nicht schmelzen, sodass eine Rückgewinnung der Glasfasern nahezu unmöglich ist.“ Viele dieser Blätter werden derzeit zerkleinert und auf Deponien oder in inoffiziellen Zwischenlagern entsorgt. Technologien wie die Pyrolyse, eine thermochemische Behandlung ohne Sauerstoff, können Glasfasern und andere Materialien zurückgewinnen, allerdings ist diese Methode wirtschaftlich kaum attraktiv.

Fortschritte in der Materialentwicklung, wie etwa die Verwendung neuer Harze, die sich am Ende der Lebensdauer auflösen lassen, könnten das Problem in Zukunft lösen. Diese Entwicklungen zeigen, dass eine Kombination aus technologischen Innovationen und Kreislaufwirtschaftsansätzen erforderlich ist, um das Material am Ende der Lebensdauer wieder nutzbar zu machen.

McKenna betont, dass die Belastungen durch solche Herausforderungen immer im Kontext der positiven Effekte von Windenergie betrachtet werden sollten, insbesondere der Reduktion fossiler Energieträger.

Infraschall: Ein kontroverses Thema

Ein weiteres oft diskutiertes Thema ist der sogenannte Infraschall – niederfrequente Geräusche, die von Windkraftanlagen ausgehen. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Infraschall häufig als Ursache für gesundheitliche Beschwerden oder als Störquelle dargestellt. McKenna stellt jedoch klar: „Entgegen der weit verbreiteten Annahme gibt es kaum wissenschaftliche Beweise für schädliche Auswirkungen von niederfrequentem Lärm heutiger Windkraftanlagen.“

Tatsächlich basiert die öffentliche Debatte oft auf einer einzigen Studie, die vor Jahrzehnten durchgeführt wurde und frühe Prototypen untersuchte. Aktuelle Forschung zeigt, dass moderne Anlagen keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Infraschall und gesundheitlichen Problemen herstellen können. Dennoch betont McKenna die Notwendigkeit weiterer Forschung, um Ängste in der Bevölkerung abzubauen und fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.

Wo der größte Handlungsbedarf besteht

Ein zentraler Punkt, den McKenna hervorhebt, ist die Akzeptanz der Bevölkerung. „Die Menschen wollen die Energie nutzen, aber das „Problem“ der Auswirkungen sollte woanders liegen“, erklärt er. Besonders wichtig sei es, die Vorteile der Windenergie für lokale Gemeinschaften sichtbarer zu machen.Eine mögliche Lösung sei die direkte Einbindung der Bevölkerung, beispielsweise durch finanzielle Beteiligung an Projekten oder durch Schaffung lokaler Arbeitsplätze. Ein weiterer Handlungsbedarf ergibt sich bei der Integration von Windenergie in bestehende Energiesysteme, wo Speichertechnologien und Netzverstärkungen eine Schlüsselrolle spielen.

Die nächsten Schritte: Zukunftsorientierte Forschung und Planung

Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts „Wind In My Backyard“ (WIMBY) arbeitet McKennas Team an innovativen Ansätzen, um viele der identifizierten Herausforderungen zu bewältigen. Ein wichtiger Bestandteil ist die Entwicklung einer europaweiten Karte der Landschaftsqualität. Mithilfe eines maschinellen Lernmodells und Crowdsourcing-Daten wird die sogenannte „Scenicness“ – die visuelle Qualität einer Landschaft – analysiert. Dieses Werkzeug soll Planern helfen, Standorte zu identifizieren, die sowohl für Windparks geeignet als auch von der öffentlichen Akzeptanz unterstützt werden.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Erstellung interaktiver Karten, die eine Vielzahl von Informationen über potenzielle Standorte von Windparks bereitstellen. Diese Karten sollen es Nutzern ermöglichen, die Machbarkeit, die Auswirkungen und die Vorteile einzelner Projekte detailliert zu analysieren.

Abschließend betont McKenna die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes: „Es ist entscheidend, das Gesamtbild zu betrachten und nicht nur einzelne Vor- oder Nachteile von Energietechnologien zu isolieren.“ Die umfangreiche Tabelle der Studie, die die Ergebnisse von über 400 Arbeiten zusammenfasst, liefert eine fundierte Grundlage für Forschung und Politik.

Hier geht es zur Originalpublikatio

Montag, 6. Januar 2025

Akku-Züge jetzt emissionsfreier Verkehr


Diesel Komunalbahnzüge sind in Schleswig-Holstein ersetzt 

Akku-Züge

jetzt emissionsfreie Bahn



nordbahn erweitert emissionsfreien Verkehr: Akku-Züge auf der Linie RB 63 zwischen Neumünster, Heide und Büsum

Nach dem Start der emissionsfreien Akku-Züge auf der nordbahn-Linie RB 82 wird mit der Linie RB 63 (Neumünster – Heide – Büsum)

die komplette Ost-West-Bahnachse in der Mitte Schleswig-Holsteins „dieselfrei“.

Weitere werden folgen
Ich kann bezeugen das der Zug sehr leise und Umweltfreundlich fährt.😊

Donnerstag, 29. August 2024

Graphit aus CO₂

 

Graphit aus CO₂:  


Die Oxidations-Reduktions-Reaktion zwischen CO2 und geschmolzenem Mg wurde genutzt, um das Treibhausgas in Graphen zu übertragen . Diese Herstellungsmethode erfordert keine Metallkatalysatoren und verbraucht nicht zu viel Energie. Sie bietet die Vorteile hoher Effizienz, niedriger Kosten und Umweltschutz.05.05.2022
Das estnische Unternehmen „UP Catalyst“ hat in einer Seed-Erweiterungsrunde 2,36 Millionen Euro erhalten.
Mit dem Kapital will das Unternehmen die Produktion von Kohlenstoffmaterialien aus CO₂-Emissionen ausweiten.
Umwandlung von 100 Tonnen CO₂ pro Jahr
Konkret soll der Bau einer industriellen Pilotanlage vorangetrieben werden, die jährlich 100 Tonnen CO₂ in 27 Tonnen Graphit und Kohlenstoff-Nanoröhrchen umwandeln soll. Das Werk soll in der Nähe einer Müllverbrennungsanlage in Tallinn errichtet werden, um das CO₂ direkt vor Ort nutzen zu können.
Sehr viel kleinerer CO₂-Fußabdruck
Der Prozess basiert auf Schmelzflusselektrolyse und soll deutlich weniger Emissionen verursachen als herkömmliche Verfahren. „UP Catalyst“ zufolge verursacht die Herstellung von Graphit mit diesem Verfahren einen Fußabdruck von 0,07 Tonnen CO₂-Äquivalent pro Tonne, was etwa 20 Mal weniger ist als bei der herkömmlichen Produktion. Während der Herstellung von Kohlenstoff-Nanoröhren seien die CO₂-Emissionen sogar mehr als 200 Mal geringer als bei der bislang üblichen Methode der chemischen Gasphasenabscheidung.
Inzwischen hat Graphen längst den Status eines Wundermaterials. Es ist extrem leicht, aber fester als Stahl und dabei biegsam wie Gummi. Es kann elektrische Ströme und Wärme besser leiten als Kupfer. Dabei ist Graphen durchsichtig wie Glas und lässt sich mit ein paar Kniffen auch zu einem Dauermagneten oder einen Supraleiter verwandeln.
Längst kommt Graphen als Anodenmaterial in Lithium-Ionen-Akkus und Superkondensatoren sowie in ultraleichten Verbundwerkstoffen zum Einsatz. Sie kommen unter anderem in Automobilen, Tennisschlägern oder Motorradhelmen zum Einsatz. Schichten aus Graphen lassen sich auch als Filter in Meerwasserentsalzungsanlagen nutzen. Zumindest im Labormaßstab ist dies Forschern am Oak Ridge Laboratory in Tennessee bereits geglückt. Wassermoleküle können durch die Waben des Graphens hindurchschlüpfen, die Salzionen nicht.

Mit einem neuen Forschungsansatz machen Fachleute am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) aus Luft festen Kohlenstoff. Weil sie dafür zum einen CO2 aus der Luft holen und zum anderen Hightech-Rohstoffe wie Carbon Black, Graphen und Graphit herstellen, kann der Ansatz für Klimaschutz und Industrie gleichermaßen interessant sein. Katja Purr etwa, die das Fachgebiet „Strategien und Szenarien zu Klimaschutz und Energie“ beim Umweltbundesamt leitet, sieht in der Technologie „viel Potenzial für die Zukunft“.

Das Ganze funktioniert in einem mehrstufigen Verfahren: Mithilfe eines sogenannten Adsorbers wird CO2 aus der Luft abgetrennt - das nennt man „Direct Air Capture“. Im zweiten Schritt werden Kohlenstoff und Sauerstoff über chemische Prozesse getrennt und gehen neue Bindungen ein, das Ergebnis sind Methan und Wasser. Im Methan steckt der Kohlenstoff, der in einem Reaktor mit flüssigem Zinn abgespalten wird. Pyrolyse heißt dieser Verfahrensschritt. Weil das flüssige Metall schwerer ist als Kohlenstoff, steigt dieser mit Gasblasen nach oben, schwimmt auf dem Zinn und kann dort abgeschöpft werden.

Noch stecken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Anfängen, wie Benjamin Dietrich vom KIT-Institut für Thermische Verfahrenstechnik sagte. Unter anderem werde getestet, wie sich die Endprodukte je nach Temperatur und Druck verändern. Zudem gehe es um Fragen des Energieaufwands und möglicher Schadstoffe. 

Dieser Artikel wurde vom KIT- Forscher Theam veröffentlicht

 
Zusammen mit der ersten Finanzierung von vier Millionen Euro aus dem Dezember 2023 verfügt das Unternehmen nun über 6,36 Millionen Euro Seed-Kapital.
https://www.welt.de/wissenschaft/article196905811/Kohlendioxid-Das-Treibhausgas-kann-zu-Graphen-werden.html
https://www.scinexx.de/news/technik/graphen-aus-kohlendioxid/