Fossile Investitionen bis ins nächste Jahrhundert
Vermögensverwalter und Staatsfonds investieren weltweit 6,5 Billionen Dollar in Kohle, Gas und Öl. In Europa führt Norwegens Staatsfonds das Ranking an
Von Kai Schöneberg 2 min
Hitzewellen, Hurrikans, Hochwasser – während die Klimakrise die Welt zunehmend unbewohnbarer macht, versuchen Investoren weiter, Profite mit Pipelines, LNG-Terminals oder Kohle- und Gaskraftwerken zu erzielen. Laut einer Studie von Urgewald und 28 weiteren Umweltschutzorganisationen weltweit haben 8.400 Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Hedgefonds aktuell 6,5 Billionen US-Dollar in fossile Unternehmen investiert.
Während Europa erneut bereits im Juni unter einem Hitzedom leidet, „halten institutionelle Investoren weltweit Anteile an fossilen Unternehmen mit einem Marktwert, der dem jährlichen BIP von Frankreich und Großbritannien entspricht“, sagte Urgewald-Geschäftsführerin Heffa Schücking. „Unternehmen, die ihre fossilen Aktivitäten ausweiten, während der Planet brennt, sind die schlechteste Investition, die man sich vorstellen kann“, betonte sie.
21 institutionelle Investoren halten 50 Prozent des Volumens der weltweit analysierten Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen. Die meisten kommen aus den USA. Weltweite Nummer 1 in fossilen Anlagen ist der US-Vermögensverwalter Vanguard (659,5 Milliarden US-Dollar), gefolgt vom Konkurrenzunternehmen Blackrock (553,3 Milliarden Dollar) sowie dem saudischen Public Investment Fund (283,7 Milliarden Dollar). Mit dem Staatsfonds legt das Ölland seine Einnahmen an.
Auch Europa mischt kräftig mit im Geschäft mit fossilen Anlagen. Die institutionellen Anleger des Kontinents halten 13 Prozent der ermittelten weltweiten fossilen Aktien und Anleihen. Größter Investor ist dabei Norwegens Government Pension Fund Global (GPFG). Der größte Staatsfonds der Welt, mit dem die Skandinavier ihre fossilen Profite investieren, erreicht weltweit Platz 9 mit 91,3 Milliarden Dollar Anlagen in Öl, Kohle und Gas. „Was den Klimawandel angeht, ist der GPFG Europas unverantwortlichster Investor“, sagte Dina Rui vom Nordic Center for Sustainable Finance.
Siemens bei deutschen Vermögensverwaltern beliebt
Auf den nächsten Plätzen im Europa-Ranking folgen zwei Banken: die Schweizer UBS (71,7 Milliarden Dollar) und Crédit Agricole mit dem Vermögensverwalter Amundi aus Frankreich (56,3 Milliarden Dollar). Die größten hiesigen fossilen Investoren sind die Deutsche Bank mit ihrer Vermögensverwaltungstochter DWS (43,8 Milliarden Dollar) gefolgt von Allianz (Allianz SE sowie die Tochtergesellschaften AGI und Pimco) mit 34,8 Milliarden Dollar, die genossenschaftliche DZ Bank mit ihrer Tochter Union Investment (13,6 Milliarden Dollar) und die Deka Group (10,2 Milliarden Dollar).
Bei allen vier Vermögensverwaltern sind Investitionen in Siemens und Siemens Energy besonders beliebt. Sowohl bei DWS als auch bei Deka ist die Siemens AG das größte fossile Investment mit jeweils 3,5 und 1,6 Milliarden Dollar.
Die finanzierten Unternehmen wollen zum Teil auch noch im 22. Jahrhundert mit ihren klimaschädlichen Investitionen arbeiten: Die Studie identifiziert Investitionen in Höhe von 64 Milliarden US-Dollar in Anleihen fossiler Firmen, die erst nach dem Jahr 2050 fällig werden, also dann erst von ihren Emittenten zurückgezahlt werden müssen.
Mehr als 240 Investoren halten fossile Anleihen mit Laufzeiten bis 2080 und darüber hinaus. Die fossile Anleihe mit der längsten Laufzeit wird von Brasiliens staatlichem Ölkonzern Petrobras emittiert – sie läuft bis ins Jahr 2115.
Kai Schöneberg
TAZ Redakteur
Wirtschaftshistoriker, Ausbildung bei der Burda Journalistenschule. Von 2001 bis 2009 Redakteur in Bremen und Niedersachsen-Korrespondent der taz. Dann Financial Times Deutschland, unter anderem als Redakteur der Seite 1. Von 2012 bis 2024 Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt.
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